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Leben nach dem Lustprinzip

Auf was hast Du Lust? Was macht Dir Spass? Also los, mach was draus!

Kennen wir nicht alle das Gefühl, »jetzt hätte ich total Lust auf...«? Aus dem Nichts kommt ein Impuls und es entsteht ein Drang. Ohne zu wollen, sind wir mit einer Entscheidung konfrontiert: unterdrücke ich den Drang, oder folge ich ihm. Eiscreme, Strandferien, ein Sprung ins kühlende Nass, Sex, neue Schuhe, Job kündigen, Tänzerin werden... – Und genau jetzt, genau hier möchte ich in Deinen Kopf schauen können und sehen, was Du denkst. Unzensiert. Was haben meine einleitenden Worte bei Dir ausgelöst?

Wir sind Menschen. Wir bewerten. Dazu greifen wir auf ein Wertesystem zurück, in dem Richtig und Falsch verpackt ist. Es wurde uns vor langen Jahren geschenkt, in Zeiten, wo wir noch nicht differenzieren konnten und seither haben wir unsere Erfahrungen an ihm abgeglichen. Dieses wundervolle System hat uns in vielen Situationen einen tollen Dienst erwiesen und uns vor unangenehmen Dingen bewahrt. Es hat uns auch weiter gebracht, uns vielleicht unserer »Berufung« etliche Schritte näher geführt. Den Eltern, der Schule, der Kirche, der Gesellschaft sei Dank! Wir sind an ihm gewachsen.

Wir haben unsere Glaubenssätze auf ihm basiert.
Kennen wir nicht alle den Satz, »lern erst etwas Anständiges«? Oder, »erst die Pflicht, dann das Vergnügen«? Einige von uns wurden nicht so erzogen, die meisten jedoch schon. Unsere Gesellschaft basiert noch immer auf diesen Grundsätzen. Das Lustprinzip ist nahezu verwerflich und steht wider jeglicher Vernunft – Lust selber nimmt fast schon den Stellenwert von Luxus ein. Wird man damit dem Lust-Thema aber wirklich gerecht?

Schaut man die Sachen aus dem Blickwinkel der Wirtschaft an, wird es plötzlich spannend. Muss ich als Arbeitgeber zwischen zwei potenziellen Arbeitnehmern mit deckungsgleichen Voraussetzungen wählen, welcher erhält meinen Zuschlag? Der, der wirklich Lust auf seine Arbeit hat, sich identifiziert und motiviert ist natürlich. Dieser Mensch wird dem Unternehmen Mehrwert bringen. Gehe ich einen Schritt weiter und frage mich, wie ein Unternehmen entsteht, treffen ich auf Menschen, die oft in blauäugiger Manier einem Impuls folgen und lustvoll ihren Traum in die Realität umsetzen. Damit erschaffen sie Produkte, Arbeitsplätze und auch hier Mehrwert. Frage ich mich, wie ein Unternehmen überleben kann, stosse ich auf den Begriff »Innovation«. Wie anstrengend und auslaugend muss es sein, wenn man etwas Neues finden muss, um im Markt zu bestehen und keine Lust darauf hat?

Stellen wir uns mal vor, Herr und Frau Federer hätten dem jungen Roger gesagt, »lern erst etwas Anständiges«? Welchen wirtschaftlichen Mehrwert hätten sie damit verhindert? Und hier spreche ich erstmals vom finanziellen. Der jedoch viel wichtigere ist Roger Federers Freude am Tennis. Hätte der Mann den Fokus auf Bekanntheit, Status oder Sicherheit gelegt, wäre er nie da, wo er heute ist. Zu seinem Glück hat er Lust am Spielen und lebt genau das. Ähnlich, wie ein Kind, das sich in seiner phantastischen Schaffenskraft verliert und sich mit Bausteinen sein ureigenes Universum kreiert. Ok, Roger Federer trainiert trotz aller Verspieltheit äusserst pflichtbewusst und leistet dadurch Unglaubliches. Das tut er, weil er Lust darauf hat, weiterhin auf dem hohen Level Tennis zu spielen.

Mit Erfolg tun, auf was ich Lust habe.
»Wenn ich immer das tun würde, auf was ich gerade Lust habe, würde ich...« Ja, was würde ich? Würde ich scheitern, verhungern, egoistisch handeln, auf Kosten anderer leben? Ich wage das zu bezweifeln. Im Gegenteil, ich lebe dann einfach mein Leben ohne Zweifel und Angst. In jedem Moment besinne ich mich und frage ehrlich, welche Entscheidung jetzt für mich die entsprechende ist. Dabei achte ich darauf, ob ich einem Glaubenssatz aufspringe, oder wirklich dem gerecht werde, was mir gut tut.

Ein Beispiel: Wenn der letzte Eingabetermin für meine Steuern ansteht und ich keine Lust aufs Ausfüllen der Formulare habe, auf was habe ich wirklich Lust? Vielleicht darauf, einen Treuhänder zu beauftragen und ihn für seine Arbeit zu bezahlen. Sicher aber habe ich nicht Lust, die Konsequenzen der Steuerbehörde zu tragen. Genau deshalb entscheide ich mich dafür, die Sache in die Hand zu nehmen und die Arbeit termingerecht zu erledigen. Damit sie jedoch nicht zu anstrengend wird, bietet es sich an, meine Haltung gegenüber der Arbeit zu ändern. Auf diesen Gesinnungswandel muss ich aber auch Lust haben, erst dann wird alles leichter.

Oder habe ich plötzlich Lust einen Tag frei zu nehmen und geniesse diesen, ohne vorher, während oder nachher ein schlechtes Gewissen zu haben. So schenkt dieser Genuss mir Energie und lässt mich frisch und erholt wieder zur Arbeit gehen. Das steigert im Übrigen meine Effektivität und Effizienz, was meinem Arbeitgeber äusserst gelegen kommt. Und, auf die Spitze getrieben: habe ich Lust, meinen Job zu schmeissen und meine lang unterdrückte Passion zur Berufung zu machen, so werde ich zweifelsfrei mit Erfolg gekrönt – aber eben nur dann, wenn es zweifelsfrei so ist!

Denken als Erfolgsrezept?
Wenn ich mich für einen solch drastischen Schritt entscheide, also quasi »aussteige«, läuten sofort die Alarmglocken. »Das kann ich meiner Familie nicht antun, ich habe doch Verpflichtungen, Kinder, Kredite abzuzahlen.« Stimmt alles. Daran ist auch nichts falsch, es gehört zum Überleben. Ich werde mit meinen Ängsten konfrontiert und die gut entwickelte und trainierte Vernunft meldet sich als Schutzschild. Wirkt es also etwas »einfach« zu schreiben, man solle tun, auf was man gerade Lust hat?

Zu den anklingenden Glocken ergeben sich spannende Fragen. Zum Beispiel meine Familie, zieht sie mich in der Rolle des Frustrierten vor, oder möchte sie mich lieber lebensfroh und glücklich lachend? Der mir angetraute Mensch, ist er mit mir den Bund des Lebens eingegangen, um gemeinsam dem Leben wachsend zu begegnen, oder um Veränderung zu verhindern? Meine Verträge, sind sie sakrosankt, oder bin ich mir meiner Optionen vielleicht noch nicht bewusst? Meine Kinder, sind sie wirklich so abhängig von mir, oder möchte ich ihnen einfach das bieten, was meinen Ansprüchen gerecht wird?

In Lust-Fragen bietet sich die Fragestellung »Wie erreiche ich, was ich brauche?« als Erfolgsrezept. Es ist viel mehr möglich, als was ich denke. Das Denken findet ja auch im Hirn statt, das Handeln in der Aktion. Habe ich Lust zu agieren? Habe ich Lust, kritische Fragen zu beantworten und mich meinen und den Ängsten meiner Umgebung zu stellen, mit ihnen umzugehen?

Entscheide ich mich dagegen, dann habe ich anscheinend Lust darauf, einen anderen Weg einzuschlagen. Das ist perfekt und richtig so. Bewerte ich meinen Entscheid jedoch als Versagen, landen wir wieder beim Thema Wertesystem und den Glaubenssätzen.

Leben nach dem Lustprinzip.
Menschen, die tun, auf was sie Lust haben, kreieren Energie und strahlen, werden dadurch präsent und unübersehbar. Nehme ich sie als Vorbild oder wähle sie als Bild für meinen Futterneid, nutze ich sie als Mittel zur Bewertung: Motivation und Hinderungsgrund. Werde ich mir jedoch wertefrei der Physik hinter dem Mechanismus bewusst, befähige ich mich dazu, das Leben wahrzunehmen und Eigenverantwortung zu übernehmen. Das lässt mich Vertrauen schöpfen und aus dem Moment heraus lustvoll leben.

Auf was hast Du Lust? Was macht Dir Spass? Also los, mach was draus!

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